Toller Artikel der Gießener Allgemeinen über den ehemaligen TSVler Georg Nicolai:

Frankfurt-Eschborn als ein Jahreshöhepunkt
Der Fußball war immer eine Herzensangelegenheit für Georg Nicolai. Jetzt ist er dem Radsport verfallen und will den Beweis antreten, dass im Alter von 49 Jahren noch Leistungssprünge möglich sind.

Alles hat seine Zeit. Und wenn nach einem Knorpelschaden im linken Kniegelenk ein paar Jahre später die gleiche Verletzung im rechten Knie inklusive Innenmeniskusresektion auftritt, ja dann ist es höchste Zeit, »schweren Herzens die Fußball-Laufbahn zu beenden«. Georg Nicolai, für den aktiver Sport stets ein Lebensbekenntnis war und ist, war allerdings nur kurzfristig orientierungslos. Natürlich musste sofort ein Ausgleichssport her – das Radfahren. »Durch den kontrollierten Aufbau der Oberschenkelmuskulatur werden jetzt bei mir die Knie gehalten«, denn sogar eine Knieprothese hatte für den Gießener als Schreckensszenario im Raum gestanden. Inzwischen »habe ich so viele Muskeln aufgebaut, dass ich weitgehend ohne Schmerzen auskomme«. Und die Metamorphose vom Fußballer zum Radsportler ist vollzogen.

Ein kurzer Blick zurück: 1969 im polnischen Sensburg geboren, führte ihn sein Lebensweg mit zwölf Jahren nach Deutschland, und nur ein Jahr später erfolgte 1982 der Eintritt in den Fußballverein. Beim 1. SC Sachsenhausen fühlte er sich in der C-Jugend schnell wohl, bereits im zweiten Jahr ereilte ihn der Ruf in die Hessenauswahl. Über die Zwischenstation Eintracht Lollar kehrte er in die Weststadt zurück und schnürte bereits als A-Jugendlicher die Schuhe für die erste Mannschaft.

Eintracht Haiger, TSF Heuchelheim, TSV Großen-Linden, TSV Allendorf/Lahn und erneut 1. SC Sachsenhausen lauteten die weiteren Stationen, wobei er in Großen-Linden alle Aufstiege von der B-Klasse bis in die Landesliga mitgemacht hat und auch mit Sachsenhausen in der Landesliga spielte. Im Spätherbst seiner Fußball-Laufbahn folgten noch Stationen beim TSV Rödgen, hier auch ein halbes Jahr als Spielertrainer, und bei der SG Kesselbach/Odenhausen/Allertshausen (zweimaliger Aufstieg).

Unvergessen bleiben für Nicolai, der 1997 Hajdukiewicz als Nachnamen abgelegt hatte, auch Aufenthalte im Ausland. In seiner ersten Zeit in Deutschland wechselte er in das Jugendinternat von Manchester United, allerdings ließen »starkes Heimweh und erhebliche Sprachbarrieren« schnell den Entschluss reifen, das Experiment abzubrechen. Jahrzehnte später, vor dreieinhalb Jahren, führte er als Spielertrainer die Fußball-Auswahl des Universitätsklinikums Gießen/Marburg zum deutschen Meistertitel und bei der EM in Schweden auf den dritten Platz.

 

Fußball rund um die Uhr trainiert

So viel zur Vergangenheit, auf in die Gegenwart und Zukunft. Schon in früheren Fußballerjahren war Nicolai das übliche Training meist nie genug, Extraschichten waren Standard. Nicht verwunderlich, dass er keinerlei Probleme damit hat, die zeitintensiven und besonders im Winter auch manchmal eintönigen Übungseinheiten durchzuziehen. »Ich trainiere in aller Regel alleine, geleitet und gelenkt werde ich dabei von einem stets wechselnden und auf meine Bedürfnisse angepassten Trainingsplan«, wobei in regelmäßigen Abständen Ist- und Soll-Zustände abgeglichen werden.

Hatte sich Nicolai früher mit Mannschaftstaktik, Sprints, Technik und allgemeiner Fitness auseinandergesetzt, gehören inzwischen Begriffe wie Grundlagenausdauer (GA 1/2), Kompensationsbereich, Herzfrequenz, Schnellkraft, Schwellenwert, Entwicklungsbereich, anaerobe Schwelle, Watt, High Intensity, Trittfrequenz und/oder Intervalle zum festen Sportvokabular. Allgemein gilt: Wer regelmäßig seine Ausdauer trainiert, der bewirkt dadurch, dass sich der Körper an solche Belastungen gewöhnt. Mit der Folge, dass der Ruhepuls sinkt und sich die Sauerstoffversorgung verbessert. Und daran arbeitet Nicolai inzwischen mit Hochdruck.

Der Angestellte beim Universitätsklinikum Gießen/Marburg (UKGM) hat bei Teilnahmen an der Jedermann-DM 2016 und 2017 in Nidda, beim Dünsberg-Marathon 2017, beim Klassiker »Frankfurt-Eschborn« in den letzten beiden Jahren sowie beim Granfondo Stelvio über 130 km (3200 Höhenmeter) und La Marmotte Granfondo Pyrénées über 160 km (5400 Höhenmeter) mehr als nur »Lunte gerochen«. In dieser Saison will es Nicolai wissen und hat sich noch ehrgeizigere Ziele gesetzt, wenngleich die Vorzeichen schon als miserabel eingestuft werden müssen.

 

Noch Hochkaräter in petto

Ein Krankenhausaufenthalt im November und Behandlungen bis in den Januar hinein haben die Basisarbeit erheblich gestört, dennoch zeigt sich Nicolai optimistisch: »Ich trainiere momentan nach Plan und fühle mit gut dabei. Bis zum 1. Mai, dem ersten Saisonhöhepunkt mit der Skoda-Velotour über die Langstrecke von 100 km im Rahmen des Profirennens Frankfurt-Eschborn, ist es ja noch eine Weile hin«, hofft der 49-Jährige darauf, dass er sich Stück für Stück seiner Wettkampfform annähern kann. Denn die 1700 Höhenmeter über den Feldberg, die Kittelhütte inklusive des Mammolshainer Stichs will er »mit einem Durchschnittstempo zwischen 32 und 35 km/h« absolvieren. Das ist ambitioniert.

 
Wir begleiten das Mitglied der Radfahrervereinigung 1904/27 Gießen-Kleinlinden während der Vorbereitung, schauen in Abständen bei ihm vorbei, vergewissern uns über seinen Trainingszustand und erläutern fachspezifische Begriffe wie anaerobe Schwelle. Sollte es bis zum 1. Mai nicht wunschgemäß mit der Vorbereitung hinhauen, Nicolai hat mit dem Grandfondo Stelvio über das Stilfser Joch, einer »Tour Transalp« sowie weiteren Rennen noch Hochkaräter in petto. Das Jahr ist fest durchgetaktet, jetzt hofft der Gießener zusammen mit seiner ebenfalls radaktiven Lebensgefährtin Su Böhme, dass er von krankheitsbedingten Ausfällen oder gar Stürzen verschont bleibt.

 

Quelle (Artikel und Bilder): https://www.giessener-allgemeine.de/sport/lokalsport-gaz/Lokalsport-Frankfurt-Eschborn-als-ein-Jahreshoehepunkt;art1434,560244

 

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