Im Gießener Anzeiger gibt es diese Tage folgenden tollen Artikel über engagierte Trainer und hoffnungsvolle Nachwuchskicker zu lesen: "Großen-Linden hat herausragende E-Junioren / Kreismeister und Pokalsieger

LINDEN - Wer sich ein wenig mit Jugendfußball beschäftigt, der weiß, wie schwierig es sein kann, aus einem Hühnerhaufen drei Käse hoher Kinder, deren Stutzen bis kurz unters Trikot reichen, eine Mannschaft zu formen. Da gibt es unterschiedliche Talente und Charaktere, da gibt es kurze Beine, die für den strammen Schuss geeignet sind, aber kleine Köpfe mit großen Augen, die noch nicht den Blick haben für den Raum. Da ist viel Spaß und Zufall im Spiel, vor allem bei Bambinis und F-Junioren.

Wenn die Jungs zehn/elf Jahre sind, trennt sich zumeist die Spreu vom Weizen, was nicht despektierlich gemeint sein darf. Doch tatsächlich beginnt die Trainingsarbeit Früchte zu tragen, ist nicht nur der Spaß im Spiel, sondern kommt Struktur hinzu. Ein spannender Moment für die Trainer und ein schöner für alle, die zuschauen, wenn bei den E-Junioren der Sport zu einer runden Sache wird. So ist (Jugend-)Fußball.

Beim TSV Großen-Linden haben sie diesen Prozess perfektioniert. Die E1-Junioren der maßgeblichen Trainer Matthias Grützner und Oliver Keil ("Wir machen das absolut auf Augenhöhe", sagt Grützner) sowie Niklas Tannert und Besim Bulut spielen den blitzsaubersten Ball im Fußballkreis. Kein Zufall also, dass die Jungs nicht nur die Kreisliga A der sechs besten Mannschaften, die sich im Herbst qualifiziert hatten, mit neun Siegen bei nur einer Niederlage (ausgerechnet beim wackeren Schlusslicht Großen-Buseck) sicherten, sondern auch im Kreispokalfinale den Alterskollegen vom VfB 1900 beim 5:1 keine Chance ließen.

"Eigentlich war unser Ziel, uns für die Kreisliga zu qualifizieren. Ob wir das schaffen würden, war mir gar nicht so klar", sagt Grützner, der gerade seine B-Lizenz gebaut hat und vor zehn Jahren aus Glauchau (nahe Zwickau) nach Mittelhessen kam. Kurz nachdem er Vater von Drillingen (zwei Töchter, ein Sohn) geworden war und "als Familienmensch natürlich" nicht mehr zu seinem Arbeitgeber nach Aßlar pendeln wollte. Und als passionierter Fußballer vor fünf Jahren als TSV-Trainer einstieg, seinen Sohn Vincent begleitend. Matthias Grützner und seine Trainerkollegen gehen unaufgeregt und strukturiert an die Sache Jugendfußball heran, wobei Grützner bescheiden sagt: "Da passt einfach viel zusammen, wir haben fünf, sechs sehr gute Kinder, das ergänzt sich aber mit den anderen, die mitwachsen und mitgezogen werden", spricht er von einem "sehr, sehr starken 2007er-Jahrgang, die das tragen." Dazu hat der Bayern-Fan, dessen motivierende und positive Kommandos (beim 2:2-Zwischenstand beim MTV beispielsweise mahnte er sächselnd "ruhig bleiben, Jungs, wir machen noch unsere Tore") die Kinder immer erreichen. Er sollte recht behalten: 5:2 gewannen die Lindener Jungs, deren Zusammenspiel für dieses Alter verblüffend strukturiert und abgeklärt wirkt. Umso faszinierender, weil sie maßgeblich mit dem jüngeren Jahrgang das Kunststück schafften, durch die Quali zu marschieren, aber auch die Kreisliga zu beherrschen. "Klar, ist da auch Glück dabei", sagt Grützner, bezogen auf den 2:1-Pokal-Halbfinalsieg gegen die traditionell dominierende Truppe der TSG Wieseck.

In erster Linie aber schwimmen die Jungs auf einer Erfolgswelle, die sie nicht abheben lässt. Im Gegenteil: Auch die gegnerischen Jungs sind der Meinung, dass "die echt fair sind". Ein Grundsatz, der für Grützner genauso große Bedeutung hat wie die sportliche Entwicklung: "Die Sozialkompetenz, der Umgang miteinander im Team, aber auch mit den Gegnern, ist ganz wichtig für uns. Wir versuchen, auch die Eltern mitzunehmen. Es klappt sehr gut." Tatsächlich sei man auch nie aktiv auf andere Kinder zugegangen, was im Juniorenbereich ein tief greifendes Ärgernis ist, das Ansprechen und Abwerben von Kindern. Grützner, der neben seinem talentierten Sohnemann auch die Töchter ("Sie turnen auch leistungsmäßig") erwähnt, ist in Mittelhessen angekommen, auch in der katholischen Gemeinde "sehr engagiert" und hat für den Verein seine Visionen. So werden Leihgestern und Großen-Linden ihre Zusammenarbeit intensivieren. Die D-Junioren bilden in der kommenden Runde eine Spielgemeinschaft. Gruppenliga im Juniorenbereich "wie früher" ist das Ziel. Die Jungs aus der E-Jugend sind ein Pfand dafür."

Quelle: Gießener Anzeiger (http://www.giessener-anzeiger.de/sport/lokalsport/fussball/feine-spielkultur-mit-fairem-anstrich_17937437.htm)